Pflegebegleitung – ehrenamtliche Unterstützung und Stärkung pflegender An- und Zugehöriger.

Pflegebegleitung meint eine freiwillige und ehrenamtlich angelegte psychosoziale Begleitung für pflegende An- und Zugehörige. Im Rahmen eines GKV-Modellprojektes 2003 – 2008 wurde diese Form der Begleitung entwickelt, bundesweit erprobt, verbreitet und evaluiert – Ergebnisse siehe unten.

Pflegebegleitung versteht sich ausdrücklich als nachbarschaftlich angelegtes bürgerschaftliches Engagement und ist deshalb für die Nutzenden entgeltfrei. Der Auf- und Ausbau von Initiativen für ehrenamtliche Pflegebegleitung ist seit 2008 bundesweit förderfähig nach §45c SGB XI.

In einem bundesweiten „Netzwerk Pflegebegleitung“ zusammengeschlossen setzen sich derzeit einzelne Engagierte und Initiativen mit ihrem Begleitungsangebot gemeinsam für ein gutes Leben unter den Bedingungen von Alter, Pflege und Unterstützungsbedarf ein. Ihre gemeinsame Vision: Ein neues Miteinander in der Nachbarschaft, im Quartier, in der Kommune: „keiner soll durchs Netz fallen“! Wir wollen uns gegenseitig helfen und informieren: Jeder soll für die Wechselfälle in der häuslichen Pflege die passenden Ansprechpartner finden.

Ehrenamtliche Begleitung bei Alter und Pflege durch informiert und qualifizierte Nachbarn und Freiwillige – eine Zukunftsaufgabe

Die Zahl der Personen über 65 Jahre wird sich bis 2050 weltweit mehr als verdoppeln (siehe Veröffentlichung des UN-Berichts „World Population Ageing 2020 Highlights“). Mehr als 7 Millionen Menschen in Deutschland sind derzeit mit dem Anliegen guter Pflege befasst (Statistisches Bundesamt 2024). Begleitung in besonders schwierigen Lebenssituationen des Älterwerdens wird damit zu einer wichtigen gesellschaftlichen Zukunftsaufgabe. Wir wollen Altwerden neu denken, unsere Erfahrungen als pflegende An- und Zugehörige, unsere Kontakte und unser spezielles Wissen einbringen – damit Pflege zu Hause gelingen kann.

Positive Ergebnisse – die verschiedenen ehrenamtlichen Begleitungsprofile gemeinsam  

Ehrenamtliches Engagement entfaltet seinen Nutzen dort besonders gut, wo verschiedene ehrenamtliche Unterstützungsleistungen aus einer Hand angeboten werden und sie Wege zu den professionellen Versorgungsangeboten ebnen. Deshalb hat es sich als sinnvoll erwiesen, die unterschiedlichen Begleitungsprofile miteinander zu vernetzen – und auf Kooperation aller freiwillig tätigen Akteure zu setzen: Patientenbegleiter, Gesundheitsbegleiter, Schlaganfallbegeleiter, Seniorenbegleiter, Technikbegleiter. Ein erstes Pilotprojekt in Bochum hat gezeigt, dass und wie es gelingen kann, MultiplikatorInnen und freiwillige BegleiterInnen zu qualifizieren und ein kommunales Begleiter-Netzwerk auf- und auszubauen – hier sind auch lokale Organisationen Mitglied: www.Begleiter-Netzwerk-Bochum.de

Klarstellungen zum geplanten „Pflegeneuordnungsgesetz“

Im Rahmen des aktuell geplanten Pflegeneuordnungsgesetzes (Entwurf vom 4. Juni 2026) wird dem ehrenamtlichen Engagement „Pflegebegleitung“ zwar weitenhin ein wichtiger Platz eingeräumt (§45a & b SGB XI). Dennoch kommen vermehrt Anfragen zur geplanten professionellen „Pflegebegleitung“, die die bisherige Pflegeberatung ablösen soll (§7c SGB XI). Deshalb wollen wir hier klarstellen: Unser Netzwerk Pflegebegleitung steht für das freiwillige Engagement. Unsere Begleiterinnen und Begleiter wollen pflegenden An- und Zugehörigen Mut machen, ihnen Schutz und Unterstützung bieten, damit sie ihren Weg der Fürsorge gehen können. Wir bieten keine Pflege-Dienstleistungen und keine professionelle Beratung an. Wir sind keine „Profis“ und verfolgen nicht die Absicht, Geld zu verdienen.

Im Rahmen der Reformbemühungen sehen wir allerdings auch Chancen, das Zusammenspiel zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen neu zu justieren und voneinander zu lernen. Verschiedene Optionen dazu werden derzeit diskutiert. Vorschläge dazu sind herzlich willkommen.  

Informationen zu Pflegebegleitung

  • Zwei Geschichten über geglückte Pflegebegleitungen – von einer Pflegebegleiterin aufgezeichnet – finden Sie hier  Geglückte Pflegebegleitungen
  • Wenn Sie Interesse daran haben, eine Pflegebegleitungs-Initiative aufzubauen, können Sie im Buchhandel das aktuelle „Handbuch Pflegebegleitung“ (Pabst-Verlag 2015) erwerben  Bubolz-Lutz_Pflegebegleitung_Umschlag
  • Wenn Sie etwas über die Aktualität des Anliegens „Pflegebegleitung“ erfahren wollen, dass nämlich jeder 10. Bundesbürger ab 17 Jahre mit Pflege eines Angehörigen befasst ist (Stand Ende April 2019) zur Website Ärztezeitung
  • Wenn Sie etwas über die Notwendigkeit des Aufbaus von Strukturen erfahren wollen, können Sie hier den kritischen Artikel vom September 2020 von Prof. Dr. Elisabeth Bubolz-Lutz einsehen newsletter-19-bubolz-lutz_final
  • Wenn Sie auf die Ergebnisse des GKV-Modellprojektes „Pflegebegleiter“ zurückgreifen wollen, rufen Sie die Website der GKV unter dem Stichwort „abgeschlossene Modellprojekte“ auf – hier Band 6 „Pflegebegleiter“.

Prof. Dr. Elisabeth Bubolz-Lutz
Sprecherin und wissenschaftliche Begleitung des Netzwerk Pflegebegleitung auf Bundesebene: elisabeth@bubolz-lutz.de