Pflegebegleitung ist bürgerschaftliches Engagement rund um die Pflege. In einem bundesweiten Netzwerk zusammengeschlossen setzen sich Organisationen, Professionelle und Ehrenamtliche gemeinsam für ein gutes Leben unter den Bedingungen von Pflege und Unterstützungsbedarf ein.

Pflegebegleitung war zunächst als Stärkung speziell für pflegende Angehörige gedacht. Inzwischen wird Pflegebegleitung weiter gefasst: auch Ältere, die zu Hause leben, Menschen im hohen Alter, die Krankenhausaufenthalte und Arztbesuche zu bewältigen haben, und Demenzerkrankte werden einbezogen.

Pflegebegleitung meint also mehr als nur ein einziges Engagementprofil – alle Akteure setzen sich für ein gemeinsames Vorgehen im Netzwerk ein – auf Bundes-, Landes- und Ortsebene. Im Sinne eines gemeinsamen Engagements im Pflege-Mix geht es darum, sich mit den Herausforderungen von Älterwerden und Pflegen lernend auseinanderzusetzen und über bürgerschaftliches, unentgeltliches Engagement die Betroffenen nach besten Kräften zu unterstützen und zu stärken.

Was wir wollen

  • Wir setzen uns für die Belange derjenigen ein, die beim Älterwerden und der Pflege Unterstützung brauchen.
  • Wir unterstützen besonders alle, die sich um Verwandte und Freunde mit Hilfe- und Pflegebedarf kümmern.
  • Wir wissen, dass Familien und Freunde mit ihrer Sorge unbeschreiblich viel leisten, oft im Stillen und „rund um die Uhr“.
  • Wir wissen auch, dass es schwierige Bedingungen manchen Älteren und sehr alten Menschen schwer machen, ihren Alltag zu bewältigen und selbstbestimmt zu organisieren.
  • Wir möchten als „Ehrenamtliche“ durch unser unentgeltliches Engagement vor Ort ein Zeichen setzen – für ein achtsames Miteinander und gegenseitige Unterstützung in Quartier und Nachbarschaft.
  • Wir setzen auf gemeinsames Lernen nach dem Prinzip der Selbstbestimmung. So bereiten wir uns auf das Engagement vor, und werden von speziell qualifizierten, oftmals professionellen Projekt-Initiator*innen fachlich begleitet.
  • Wir sind also ein „lernNETZWERK“ im Sinne des Pflege-Mix: Fachkräfte, engagierte Freiwillige, Organisationen und Kommunen lernen gemeinsam und engagieren sich Hand in Hand – bundesweit.

Wie Pflegebegleitung bisher verstanden wurde – speziell für pflegende Angehörige

Im Rahmen eines Modellprojektes war Pflegebegleitung zunächst als Unterstützung speziell für pflegende Angehörige konzipiert – diese waren Anfang des Jahrtausends noch zu selten im Blick. Deshalb war die Tätigkeit darauf gerichtet, ein offenes Ohr für all diejenigen zu haben, die sich privat um Hilfs- und Pflegebedürftige kümmern: „Wir lassen die pflegenden Angehörigen, Freunde und Nachbarn zu Wort kommen, erörtern mit ihnen Entlastungsmöglichkeiten, knüpfen Verbindungen zu anderen Helfern und sind einfach als Ansprechpartner da – zum Mitdenken, Trösten, Mitfühlen und Pläne machen, wie Pflege auf mehrere Schultern verteilt werden kann. Wir wollen speziell für dieses Anliegen gute Nachbarn sein, und das alles unentgeltlich“ – so beschreibt ein Pflegebegleiter sein Engagement.

Das erweiterte Verständnis – gemeinsames Engagement in verschiedenen Tätigkeitsfeldern

Inzwischen hat sich gezeigt, dass Älterwerden und Pflegen Menschen und Familien vor vielfältige Herausforderungen stellen, für die es unterschiedliche Unterstützungsformen braucht. Deshalb wird Pflegebegleitung nun als Gemeinschaftsaufgabe definiert – als gemeinsames Engagement mit vielen anderen Freiwilligenprofilen. Allen Initiativen gemeinsam ist die Ehrenamtlichkeit, der Zusammenschluss in Gruppen und Netzwerken und die fachliche Begleitung durch speziell qualifizierte „Projekt-Initiator*innen“. Unter dem Leitgedanken der „Begleitung auf Augenhöhe“ setzen sich Organisationen, Kommunen, Professionelle und Ehrenamtliche unentgeltlich ein. Sie bringen zudem die Chancen und Schwierigkeiten von „Pflege in der Familie“ öffentlich ins Gespräch. Ziel ist es, dass durch das facettenreiche Engagement das Miteinander der Generationen gestärkt wird, und dass sich vor Ort Hilfenetzwerke bilden, damit im Ernstfall „Pflege“ keiner allein bleibt.

Das Netzwerk Pflegebegleitung – ein Zusammenschluss zur Verbreitung von freiwilligem Engagement

Seit Beginn des Modellprojekts „Pflegebegleiter“ 2004  haben sich bundesweit etwa 2.500 Freiwillige auf ihr Engagement für pflegende Angehörige in gemeinsamen Lernprozessen intensiv vorbereitet. Im Jahr 2009 gab es mehr als 150 Standorte, in denen sorgende und pflegende Frauen und Männer die Unterstützung der Freiwilligen unentgeltlich und unverbindlich in Anspruch nehmen konnten. Andere Freiwilligenprofile wie Patientenbegleitung oder Gesundheitsbegleitung sind auf einzelne Bundesländer beschränkt.

Das neue „lernNETZWERK“ für Engagement, Unterstützung und Begleitung

Seit Herbst 2020 gibt es eine Netzwerkstelle für Engagement, Unterstützung und Begleitung an der Hochschule für Gesundheit in Bochum.  Hier sollen die verschiedenen Freiwilligenprofile einen Ort zu gemeinsamem Entwickeln, Lernen und zur Kooperation miteinander finden können. Da das gemeinsame Lernen im Mittelpunkt steht, bezeichnen wir uns als „lernNETZWERK Begleitung“ (derzeitiger Arbeitstitel). 

Worüber Sie sich hier näher informieren können – Interessantes zur Pflegebegleitung

  • Wenn Sie bei Ihnen vor Ort Pflegebegleitung anbieten und dazu eine Initiative aufbauen wollen, wenden Sie sich bitte direkt an das Forschungsinstitut Geragogik.
  • Möchten Sie etwas über die Entwicklung von Landes-Netzwerken erfahren, rufen Sie bitte als Beispiel die Homepage des Projektverbundes Hessen auf.
  • Wenn Sie sich über die Erfahrungen und Ergebnisse des Modellprojektes „Pflegebegleiter“ 2004 – 2008 informieren wollen, können Sie den Bericht bestellen: modellprogramm-pflegeversicherung@gkv-spitzenverband.de  Sie können ihn auch aus dem Internet herunterladen: GKV-Schriftenreihe Band 6
  • Informationen zum speziellen Lernansatz im Netzwerk-Pflegebegleitung finden Sie unter: Lernen Pflegebegleitung 28.09.2013
  • Zwei Geschichten über geglückte Pflegebegleitungen – von einer Pflegebegleiterin aufgezeichnet – finden Sie hier  Geglückte Pflegebegleitungen
  • Wenn Sie den Foliensatz von Prof. Dr. Hammer zum Thema „Unterschätzt: Männer in der Pflege“ – vorgestellt auf der Abschlusstagung des Projektes „Unternehmen Pflegebegleitung“  am 23.04.2015 – ansehen wollen, klicken Sie hier  Unterschätzt – Dortmund 23-4-15
  • Wenn Sie Interesse daran haben, eine Pflegebegleitungs-Initiative aufzubauen, können Sie im Buchhandel das aktuelle „Handbuch Pflegebegleitung“ (Pabst-Verlag 2015) erwerben  Bubolz-Lutz_Pflegebegleitung_Umschlag
  • Wenn Sie etwas über die letzte Bundeskonferenz 1./2.11.2017 in Erfurt, das Programm und die vier Auszeichnungen für gelungene Zugänge zu pflegenden Angehörigen wissen wollen, können Sie sich hier informieren Buko_Auszeichnung
  • Wenn Sie etwas über die Aktualität des Anliegens „Pflegebegleitung“ erfahren wollen, dass nämlich jeder 10. Bundesbürger ab 17 Jahre mit Pflege eines Angehörigen befasst ist (Stand Ende April 2019) https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/pflege/article/985514/aktuelle-studie-jeder-zehnte-pflegt-angehoerigen.html?sh=3&h=-1518579775
  • Wenn Sie etwas über die Notwendigkeit des Aufbaus von Strukturen erfahren wollen, können Sie hier den kritischen Artikel vom September 2020 von Prof. Dr. Elisabeth Bubolz-Lutz einsehen newsletter-19-bubolz-lutz_final
  • Wir würden uns freuen, wenn Sie Kontakt zur „Netzwerkstelle für Engagement, Unterstützung und Begleitung“ unter Leitung von Prof. Dr. Renate Schramek an der Hochschule für Gesundheit in Bochum aufnehmen würden – und sind gespannt auf Ihre Anregungen zu unserer Neuausrichtung. Noch ist ja vieles offen – insofern ist viel Raum für Mitdenken und Mitgestaltung. Sie erreichen die Netzwerkstelle derzeit unter folgender Mailadresse – eine eigene Website befindet sich im Aufbau. Netzwerkstelle@hs-gesundheit.de